Ab auf's Velo! So geht's echt nicht weiter.

geschrieben von phil | 31 Mai, 2010

Ich bin nicht gerne Moralprediger; es gibt genug andere Gründe zum Velofahren. Das Velo habe ich seit meiner Jugend (wow, jetzt tön ich alt!) vorallem als technisch faszinierendes Fortbewegungsmittel und Sportgerät gesehen. Velotouren brachten mir viel erlebte Freiheit. Pässefahrten und Downhill-Rennen einen unvergleichlichen Adrenalinschub. Dem Rennvelo verdankte ich eine gewisse Fitness und meine Wädli auf welche ich früher doch recht stolz war. Meine selbst lackierten Velos haben den Mädchen immer besser gefallen als frisierte Töffli. Dann später habe ich meinen Lebensunterhalt in der Velobranche verdient. Zuerst war's wohl einfach cool, dann wurde mit simpel.ch das Thema Velo im Alltag immer wichtiger. Eine Zeit lang habe ich komplett ohne Auto gelebt; in einem Dorf ohne ÖV am Wochenende. Je länger ich mit Velos arbeite, desto wichtiger wird es mir einen aktiven Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität zu leisten. Darum faszinieren mich auch die entstehenden Leihvelo Systeme enorm. Es gibt unzählige vielversprechende Entwicklungen die sehr viel verändern könnten. Und höchste Zeit dafür wäre es schon lange. 

Wenn ich die News zu der unglaublichen Ölpest im Golf von Mexiko sehe spühre ich eine ziemliche Ohnmacht. Plötzlich steht BP für "Bad People". Hat man früher nicht auch eine Zeit lang Shell boykottiert? Steht hinter dem Golfkrieg nicht auch das böse Öl? Wer sind denn die die echten bad people?

Ich fühle mich schlecht wenn ich den Tank unseres Geschäftsautos auffülle. Aber das ist nicht alles. Ich fühle mich als Teil der bad people wenn ich eine exotische Frucht esse die wohl mit Luftfracht hierher gebracht wurde. Ich fühle mich mies, wenn ich dran denke wie viel Kohlendioxid mein letzter Geschäftsflug nach Asien wohl in die Atmosphäre geblasen hat. Ich rechtfertige es weil ich ja wenigstens dafür mehr Velos in Umlauf bringe; aber die Konkurrenz fliegt ja auch, muss jeder da hin? Für was gibt's das Internet und Skype und all das?

Und dann sehe ich noch dieses Bild: 

Ölpest

Zum kotzen. Da gibt's nur eines. Frische Luft; ab auf's Velo. Heute. Morgen. Übermorgen, einfach viel mehr als jeh zuvor.


6 Kommentare & 0 Trackbacks von "Ab auf's Velo! So geht's echt nicht weiter."

  1. muss Dir recht geben. Es ist echt traurig was da passiert ist. geschrieben von marc 31 Mai 2010, 22:37
  2. Wie bei den Zigarettenpackungen müsste man solche Bilder an den Tanksäulen anbringen, mit Warnungen: Ihre Tankfüllung kann dies bewirken - oder so ähnlich. Aber auch dies würde kaum viel ändern - die Bequemlichkeit ist stärker wie das Gewissen. geschrieben von Christian 01 Jun 2010, 09:08
  3. Unsere Gesellschaft ist übersättigt. Jeder will alles und noch ein bisschen mehr und das möglichst schnell und sofort! Wir können uns nicht mehr vorstellen, auch mit weniger zufrieden zu sein. Wie einfach zeigt man mit dem Finger auf die andern. BP ist schuld... die Manager sind schuld... die Politiker sind schuld... NEIN, jeder einzelne in unserer Gesellschaft ist selber schuld! Denn wäre jeder von uns etwas bescheidener, würde die eine oder andere "Blase" gar nicht entstehen und somit auch nicht platzen können! geschrieben von Fabienne 01 Jun 2010, 12:20
  4. Sehr guter Beitrag, danke... geschrieben von Pesche 02 Jun 2010, 10:14
  5. Es ist total traurig, solche Bilder mitansehen zu müssen und es beschäftigt mich sehr. Wir alle sind in irgend einer Art und Weise vom Öl abhängig, egal, wie umweltbewusst wir uns verhalten. Wir tragen alle Verantwortung! Es darf uns nicht egal sein, wie Erdöl gewonnen und wie es transportiert wird. Im Sinne dieses Verantwortung Tragens müssen gewählte Regierungen weitsichtiger handeln und vergebene Bohrlizenzen schärfer kontrollieren. Unternehmen sollen sich an diese Richtlinien halten und verbindliche Ethische Vereinbarungen tragen. Und wir Konsumenten sollen nicht alles billigen, sondern mit unserem individuellen Verhalten solche Massnahmen konsequent einfordern! Asche auf unser Haupt: nur Geiz Ist Geil ist doch nicht so geil und leider wird immer erst dann gehandelt, wenn es bereits zu spät ist... geschrieben von Gérard 05 Jun 2010, 20:06
  6. Ein Leben ohne Auto ist absolut möglich - und noch lebenswerter dazu. Bloss frage ich mich: Wie lange ist ein Leben MIT Auto noch möglich? Wie lange noch kann man eine (bis zwei) Tonne(n) Blech und Plastik in Bewegung setzen, angetrieben von einem ineffizienten, Schadstoffe aushustenden Verbrennungsmotor, bloss um den eigenen faulen Arsch zu bewegen? Das Verhältnis zwischen Fahrer- und Fahrzeuggewicht ist schlicht atemberaubend schwachsinnig. Und dann les ich im Tagi zu allem Überfluss noch, dass eine der heikelsten Stellen für Velofahrer aufm Stadtzürcher Strassennetz wieder ein Todesopfer gefordert hat: http://mudstud-speaklouder.blogspot.com/2010/06/zurcher-velowegnetz-ist.html Was ich noch viel ärger zum Kotzen finde als den verschmierten Vogel. geschrieben von Laurens van Rooijen 10 Jun 2010, 14:15
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