Taipei Cycle Show 2010 - Erster Tag

geschrieben von phil | 18 Mär, 2010

Dank der neuen Metro Station direkt beim Messegebäude bin ich erholt und ohne lästigen Stau an die Eröffnung der Taipei Cycle Show 2010 angekommen.

Mein erstes Meeting war mit Patrick Perugini von Dynamic Bicycles in den USA. Seine Firma hat einen Rennvelo-Schalter für die Alfine 8-Gang Nabenschaltung entwickelt. Da ich mir bei simpel.ch ein Pendlervelo mit Rennlenker durchaus vorstellen könnte bin ich an einem Muster interessiert und sollte dieses nächste Woche in der Schweiz haben. Eine Version für die 11-Gang Alfine ist bereits andiskutiert... 

Bei NuVinci wird die neue N360 Nabe vorgestellt. Einen Prototypen haben wir in der Schweiz seit einem Monat, bis jetzt war das aber noch geheim. Was ist neu?

Die Nabe ist massiv leichter, kompakter und schaltet unter Last perfekt. Der Schaltweg hat sich halbiert und der Übersetzungsbereich ist auf 360% gestiegen. Für mich eine kleine Sensation und die Grundlage für einen viel breiteren Einsatzbereich dieser genialen Getriebetechnologie. 

NuVinci N360

Ein ausführlicher Bericht zur neuen NuVinci N360 Nabe wird auf jeden Fall folgen! Erste Infos auf Englisch sind auch schon auf der NuVinci Website zu finden. 

Eine weitere Entdeckung von heute ist die FSA Metropolitan Kurbel mit 2-Gang Getriebe welches vom Lenker aus geschaltet werden kann. Im Gegensatz zur Sram Hammerschidt zielt diese Kurbel voll auf den urbanen Einsatz ab und ist preislich durchaus attraktiv. Ob sie unter voller Last wirklich so gut schaltet wie von FSA werde ich herausfinden wenn wir unser erstes Muster erhalten...

FSA Metropolitan

Soviel zu meinem ersten Tag mit News die ich teilen darf. :-)

Taipei Cycle Show 2010

geschrieben von phil | 16 Mär, 2010

Alle Jahre wieder kommt die Taipei Cycle Show und ich werde aus meinem idyllischen 500-Seelen Bauerndorf ( ach wie ich die frische Luft vermisse! ) in die hektische, spannende und immer wieder eindrückliche Welt von Taipei katapultiert.

Zum Glück bin ich dieses Jahr einen Tag früher geflogen und kann mich nun vor der Messe etwas anklimatisieren und im Hotel meine Pendenzenliste für die geplanten Sitzungen aufarbeiten. Unglaublich wie viel man in ein paar Messetage reinkriegt! 

Aus meinem Zimmer sehe ich den Taipei 101 in die Wolken ragen. Durch das geöffnete Fenster dringt der Duft eines dieser Restaurants die so halb auf der Strasse kochen und es scherbelt traditionelle Musik aus dem Radio eines Bauarbeiters vom Dach nebenan.

Gemäss Bike Europe soll Shimano für die nächste Saison mit zweistelligen Zuwachsraten rechnen und auch die Accell Gruppe sieht alles sehr positiv. Aber ob die fehlenden Arbeiter in China einen Strich durch unsere Rechnung machen? Scheinbar sind nach Chinese New Year im Februar nochmals weniger Arbeiter aus ihren Ferien Zuhause in "Mainland China" in die industriellen Sonderzonen bei Shenzhen und Shanghai zurückgekehrt. Wieso so weit weg arbeiten wenn Zuhause der Aufschwung auch kommt? Einer der grössten Rahmenlieferanten braucht nun unterdessen mehr als doppelt so lange für eine Rahmenproduktion wie üblich. Einmal mehr wird mir bewusst, wie wenig wir im Westen doch wirklich von China verstehen und wie sehr wir trotzdem in einer krassen Abhängigkeit davon leben. Es tut gut mal wieder hier zu sein und globale Luft zu atmen!

In allen Belangen wir mir wieder bewusster wie klein die Schweiz doch eigentlich ist.. :-) 

Fünf Minuten von meinen Zuhause in der Schweiz: 

Fünf Minuten von meinem Hotel in Taipei: 

Und hier noch ein innovativer Rückstrahler:

 

 

Bern rollt mit Paper Bikes ab 2010

geschrieben von phil | 12 Mär, 2010

Ab diesem Frühling rollen in Bern und Thun neue Gratis Leihvelos durch die Stadt. Es handelt sich dabei um diese Paper Bikes die wir im Moment für Bern Rollt bauen dürfen: 

Paper Bike in Bern vor Bundeshaus

Der im Rahmen integrierte Kettenschutz wurde hier sehr hübsch als "Kommunikationsfläche" verwendet. Bern Rollt wird von der Stadt Bern und von Sponsoren finanziert. Das eigenwillige Design des Paper Bikes ist ein grosser Vorteil für Sponsoren, weil die Velos so sicher stärker wahrgenommen werden. Auch das Fahrgefühl spricht für sich. Wer also die Gelegenheit hat in Bern ein Velo zu testen, der sollte das unbedingt ( und kostenlos ) tun! 

Es bleibt zu hoffen, dass sich auch unsere Politiker mal ein solches Leihvelo schnappen. Ein wenig frische Luft würde wohl so einigen gut tun. 

Wer verdient was am Velo und warum?

geschrieben von phil | 3 Mär, 2010

Hmm, es könnte sein, dass ich mit diesem Beitrag ein etwas heikles Thema anschneide und nicht gerade alle daran Freude haben werden. Aber here goes.. ich bin gespannt auf Feedback!

Mehr als die Hälfte meines Lebens bin ich nun in der Velobranche. In diesen bald 20 Jahren habe ich praktisch jede Seite dieser spannende Branche gesehen. Zuerst als Lehrling bei einem Velohändler. Dann als Velokurier und CC - und Downhillfahrer. Dann Sachbearbeiter und später technischer Leiter bei Trek. Dann Unternehmer mit eigenwilligem Vertriebsweg.

In dieser Zeitspanne habe ich die Werstschöpfungskette der Velobranche sehr genau kennengelernt. Aus Sicht des Konsumenten, des Velohändlers, des Grosskonzerns und des Kleinunternehmers.

Mit meinem stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und einem grossen Interesse an verdeckten Zusammenhängen habe ich mich schon immer intensiv damit auseinandergesetzt wer mit was wie viel verdient. Mir wurde auch schnell klar, dass die Unterschiede von Land zu Land enorm sind. Es gibt zum Beispiel kein Land in Europa wo ein Velohändler mehr an einem Velo verdient als in der Schweiz.

Eine grobe Unterteilung der Wertschöpfungskette:

Material:
Ein Velo besteht aus einer Vielzahl an Komponenten verschiedener Lieferanten. Jeder Lieferant hat seine Preise. Diese sind abhängig von Rohstoffpreisen, Währungen, Produktionsstandort, Konkurrenzdruck und Abnahmemengen. Ein Velo Hersteller kann nun diese Komponenten einkaufen und ein Velo damit bauen. Der Aufwand dafür kann enorm unterschiedlich sein. In der Regeln sind hier auch noch Zwischenhändler ( Agenten, OEM Montagen etc ) dazwischen welche die Logistik, Qualitätssicherung und Montage sicherstellen.

  • Er kann alles „ab Stange“ kaufen ( inklusive Rahmen, Gabel und sogar Design ), mit minimalem Aufwand in einem Billiglohnland zusammenbauen, dabei auch mal bei der Qualität ein Auge zudrücken und ohne viel Marketing zu einem billigen Preis verkaufen.
  • Er kann aber auch viel in die Marke und ein stimmiges Gesamtkonzept investieren, Rahmen und Komponenten weiter entwickeln, viel in Design und Marketing stecken und mit grosser Sorgfalt montieren.

Schon hier wird aus ähnlichen „Komponenten Paketen“ ein sehr unterschiedliches Endprodukt entstehen das aber auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden ist. 

Vertrieb:
Hier kommen wir zu einem spannenden Thema welches sich stark am verändern ist.  Ich teile mal in fünf Sparten auf:

  1. Eine globale Marke mit grossen Stückzahlen, hohem Anspruch an Qualität und Image arbeitet mit Distributoren oder eigenen Niederlassungen, einem Aussendienst und dem Fachhandel. ( zB. Trek, Cannondale ) Qualität, Service und Preise sind hier eher hoch.

  2. Eine nationale Marke mit kleineren Stückzahlen arbeitet mit einem Aussendienst und dem Fachhandel. ( zB. Tour de Suisse, Cresta ) Qualität, Service und Preise sind hier eher hoch.

  3. Eine „Warenhaus“ Marke arbeitet mit einer eigenen Vertriebsstruktur und eher tiefen Margenrechnungen. Das Image wird vom Warenhaus bestimmt. ( zB. Migros, Jumbo ) Preise sind hier tief, Qualität und Service kann sehr unterschiedlich sein.

  4. Ein nationaler Direktvertreiber arbeitet mit kleinen Stückzahlen und möglichst schlanken Strukturen. ( simpel.ch, Stöckli, Thömus ). Preis ist hier eher tief, die Qualität und der Service eher hoch.

  5. Ein globaler Direktvertreiber arbeitet mit grossen Stückzahlen und möglichst schlanken Strukturen. Der Preis ist hier sehr tief, Qualität oftmals gut aber der Service kaum vorhanden.

 

Meine Gedanken dazu:
Eine nationale Marke und eine internationale Marke unterscheiden sich wohl am ehesten darin, dass die nationale Marke gezielter für den heimischen Markt produzieren kann. Die internationale Marke hat aber durch höhere Volumen mehr Ressourcen für Imagepflege und Preisoptimierungen.

Daneben stehen schon lange die Grossverteiler welche mit eigenen Marken und immer mehr auch mit globalen Marken im eher unteren Preissegment grosse Stückzahlen absetzen können.

Nationale Direktverteiber im Qualitäts-Segment gab es schon immer. Dem Internet ist es aber zu verdanken, dass diese eher an Bedeutung gewinnen und aber auch, zusammen mit allen Anbietern,  vermehrt durch globale Konkurrenz unter Druck gesetzt werden.

Wo sind die grossen Unterschiede? Wie kann man feststellen mit welchen Methoden eine Marke arbeitet? Der Preis eines Velos wird meiner Meinung nach bestimmt durch:

  • Funktionalität / Innovation
  • Qualität
  • Stückzahlen der Marke
  • Stückzahlen des Anbieters
  • Image / Werbung
  • Service beim Kauf
  • Service nach dem Kauf
Wie kann es nun aber kommen, dass ein Velo einer internationalen Marke beim Velohändler nun im Extremfall fast doppelt so viel kostet wie bei einem internationalen Direktvertreiber? Die Unterschiede können nur beim Vertrieb und allenfalls bei der Aktualität des Produktes gefunden werden. Der „Umweg“ über den Distributor und den Fachhändler kostet also einiges.

Jeder Velohändler erhält beim Ankauf eines Velos eine bestimmte Marge. Dafür sorgt er für die Zwischenfinanzierung und Endmontage des Velos und er bietet den Kunden Beratung und Service beim Kauf und im idealen Fall auch nach dem Kauf. Egal ob die Beratung fünf Minuten oder Stunden dauert; egal ob ein Velo 1000 oder 5000 kostet, die Marge bleibt proportional immer gleich. Egal ob ein Händler gut beratet oder ob er „nur“ sein Lager gezielt abverkaufen will, egal ob der Service nach dem Kauf perfekt sein wird oder nicht, die Marge bleibt gleich und für die Käufer nicht transparent.

Ein Velohändler der ein Kindervelo für CHF 600.00 verkauft und dafür eine Stunde Beratung investiert verdient am Ende fast nichts. Verkauft er in der gleichen Zeit ein Rennvelo für CHF 6000.00 bleibt ungleich mehr in der Kasse. In diesem Fall auch mal über 35% des Gesamtpreises aber sicher mindestens CHF 2000.00. Toll für die Kunden mit dem Kindervelo, eher unerfreulich für den Kunden mit dem Rennvelo.
 
Wie ist es in anderen Branchen? Amazon bietet mir mehr Informationen zu Büchern als jeder Buchhändler und deutlich attraktivere Preise. Dafür fehlt das Flair eines Buchladens und das gute Gefühl einen Laden in der Region zu unterstützen. Einen Service „nach dem Kauf“ gibt es beim Buch nicht, darum fällt mein Entscheid oftmals zu Gunsten von Amazon aus. Es sei denn, ich will gezielt den Service beim Kauf eines Buches in Anspruch nehmen und ein Buch ( zB. Ein Kinderbuch mit Illustrationen ) vor Ort sehen. Dann bezahle ich das gerne und es würde mir nicht einfallen das Buch dann trotzdem bei Amazon zu kaufen.

Der Unterschied zum Velo liegt demzufolge also nur noch beim Service nach dem Kauf. Aus Sicht der Konsumenten wäre dann wohl folgende Ergänzung in der Velobranche ideal:

Man kauft ein Qualitätsvelo mit guter Beratung und Service online, ähnlich wie ein Buch bei Amazon.
Den Service nach dem Kauf nehme ich bei Bedarf regional in Anspruch und bezahle diesen auch entsprechend, aber erst dann wenn ich ihn wirklich brauche und mit voller Transparenz. Ich habe ja schliesslich beim Kauf nichts dafür bezahlt.

Fehlt nun also lediglich eine voll auf Service ausgerichtete Dienstleistung im Markt um den Markt massiv unter Druck zu setzen?