Wieso ein Velo mit Zahnriemen Antrieb? Hintergründe zu Gates Carbon Drive

geschrieben von phil | 27 Dez, 2008

Ich beschäftige mich nun seit bald drei Jahren mit dem Zahnriemen-Antrieb. Unser erster simpel.ch Prototyp hat mich damals nicht überzeugt; zu gummig im Antritt, keine saubere Rahmenlösung und immer noch Durchrutschgefahr

Seit etwas mehr als einem Jahr setze ich mich intensiv mit der Gates Carbon Drive Lösung auseinander. Kai Fuchs, unser neuer Product Manager bei simpel.ch hat viel gerechnet, diskutiert und geplant. Zusammen mit verschiedenen Ingenieuren haben wir vorallem an einem sauberen Ausfallenden-System gearbeitet. Dieses haben wir nun am 23. Dezember beim Patentamt gemeldet. Der zweite Prototyp des simpel.ch Optimist wird dieses System als erstes Velo verwenden. Aus meiner Sicht eine wunderschöne Lösung für ein Velo mit Zahnriemen Antrieb das wirklich Spass macht und funktioniert! 

gates carbon drive antrieb

Aber was sind die Vorteile? Wenn es so genial ist, warum hat man das nicht schon lange gemacht? Diese Fragen tauchen regelmässig auf wenn ich ins Schwärmen komme. Hier also meine Antworten: 

Vorteile: 

  1. Keine Kette mehr!
  2. Ein Zahnriemen streckt sich nicht mit der Zeit und weist keinen eigentlichen Verschleiss auf
  3. Ein Zahnriemen ist wartungsfrei und muss nicht geschmiert werden und verschmutzt dadurch nicht, schmutzige Hosen gehören der Vergangenheit an
  4. Ein Zahnriemen macht keine Geräusche, man merkt erst wie laut eine Kette sein kann wenn man mit Zahnriemen fährt.
  5. Ein Zahnriemen erhält seinen Wirkungsgrad auch nach längerer Laufdauer (man schätzt, dass ein Gates Carbon Drive Antrieb ca. 25'000km Laufleistung hat)
  6. Ein Zahnriemen ist ca. 250 Gramm leichter als eine Kette ( auch als Ersatzteil auf langen Reisen.. )


Wieso gibt's das nicht schon lange?

  1. Zahnriemen sind bei Autos, Motorrädern und gewaltigsten Monster Trucks im Einsatz. Zahnriemen bei Velos gibt's eigentlich auch schon lange.. Bis jetzt waren die Systeme aber für den härteren Einsatz zu wenig ausgereift. Ein Veloantrieb hat extrem kleine Drehzahlen im Vergleich zu einem Motor und enorme, unregelmässig auftretende Kräfte. Ein Velo mit Gepäck im Wiegetritt vorwärtsbewegt; das sind Kräfte die enorm sind. 
  2. Neue Technologien ermöglichen es, einen Zahnriemen zu bauen der sich nicht dehnt. Damit lässt sich ein Zahnriemen mit relativ bescheidener Spannung einsetzen, ohne dabei durchzurutschen.
  3. Dank dem Vormarsch von hochwertigen Nabenschaltungen ( Rohloff, Shimano Alfine ) und dank dem Singlespeed Hype in den USA haben Zahnriemen an Bedeutung gewonnen. (Mit einem Zahnriemen kann man nicht schalten.. ) Somit wurde das Thema auch Wirtschaftlich für grössere Hersteller interessant. Durch den Rückgang der Auto Industrie sind neue Geschäftsfelder plötzlich interessanter geworden, zudem sind Velos auch für grössere Firmen "sexy" geworden, da "Green Business" plötzlich zum guten Ton gehört. 
  4. Ein Antrieb mit Zahnriemen stellt grosse Herausforderungen an den Rahmen. Der Rahmen muss geöffnet werden können; die Spannung muss perfekt eingestellt werden können und durch die Breite des Riemens bleibt herzlich wenig Platz für die Kettenstreben. Das Zusammenspiel von Antrieb und Rahmen ist entscheidend und stellt viele Hersteller vor (zu) grosse Herausforderungen. Es gibt noch keine Standardlösungen. 

Dass Zahnriemen Zukunft haben glaubt eigentlich die ganze Branche. Trek bietet bereits ein erstes Modell mit Zahnriemen (die Prototypen-Rahmen an der Eurobike waren zwar ernüchternd) und CNN dem Thema kürzlich einen Bericht gewidmet. Ich bin gespannt wie's weiter geht!

Mit meinem ehrwürdigen Bontrager Ti auf dem Albishorn

geschrieben von phil | 4 Dez, 2008

Da ich mein altes Transalpes Bike verkauft habe und mein neues noch nicht ganz fertig ist, habe ich mein gutes altes Bontrager Ti Hardtail wieder im Einsatz. Mit diesem Bike bin ich schon das Swiss Bike Masters und das Red Bulll Bike Attack ( noch mit einer Rock Shox SID! ) gefahren. In Chateaux D'Oeux bin ich mit Chantal Deaucourt, Keith Bontrager, Zap Espinoza und Gary Fisher über die WM-Strecken geflitzt; damals im Rahmen eines Trek Pressecamps wo ich als Guide arbeitete. Ich bin damit in drei Wochen fast um die ganze Schweiz gefahren und es war auch schon in Island.. Ein Bike auf dem ich mich seit gut zehn Jahren superwohl fühle und um welches ich schon von manchem Bontrager-Fan ein wenig beneidet worden bin. 

Kürzlich war ich damit mal wieder auf dem Albishorn: 

Bontrager Ti auf dem Weg zum Albishorn

Das Bontrager Ti

Verschneiter Singletrail Richtung Schnabellücke

Bei der Abfahrt Richtung Schnabellücke hat mir dann der Komfort einer Scheibenbremse gefehlt, die Avid Arch Supreme ist zwar ein technisches Meisterwerk und im Trockenen genial, bei Schnee war sie aber fast nicht mehr funktionstüchtig und ich musste einige knifflige Stellen mit halsbrecherischer Geschwindigkeit meistern weil die Bremse einfach nicht mehr verzögern wollte. Spass gemacht hat's aber auf jeden Fall.